Heimat  

Wie liegt so weit das Land im Sonnenschein,
im Winde wiegen sich die Ährenfelder,
gar lustig schaun die roten Dächer drein,
und feierlich und ernst die grünen Wälder.
 
Wir seh'n vom Berg hernieder in das Tal,
das endlos sich zu unsern Füßen breitet,
und trinken seine Schönheit allzumal,
bis zögernd unser Fuß von dannen schreitet.
 
Nichts ist so reich wie Gottes weite Welt,
und nichts so köstlich wie der Heimat Auen,
weil wir daheim die Wiesen, Wald und Feld
und all die Schönheit mit dem Herzen schauen.

 

© Erna Düx - Bornemann                 

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Liebe   

In jedes Menschen Leben kommt die Stunde,
die ihn erfüllt, und aus dem Alltag hebt.
Er fühlt zum erstenmal ein großes Wunder,
und weiss auf einmal, dass er wirklich lebt.
 
Er spürt, dass alles was bis jetzt geschehen,
dem Leben nun den letzten Inhalt gibt,
und dass ein Glanz die grauen Tage füllet,
und seine Seele jubelt, weil er liebt. 

 

© Erna Düx - Bornemann                 

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Unvergessen 

Heimat, deine stillen Wälder,
deiner Birken helles Grün,
deine weiten Ährenfelder,
deiner Gärten buntes Blüh'n.
 
Heimat, deine Buchenhecken,
wo im Mai man Käfer fing,
deine lieben trauten Wege,
die man mit der Liebsten ging.
 
Alle diese alten Bilder
schließt das Herz für immer ein.
Heimat, liebe schöne Heimat,
nie wirst du vergessen sein.

 

© Erna Düx - Bornemann                 

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Die Uhrzeit    

Es fragte einst auf freiem Felde
ein Fremder einen Bauersmann,
ob er ihm wohl, er möcht's gern wissen,
genaue Uhrzeit sagen kann.
 
Der Bauer nickte gar bedächtig,
und hielt mit seiner Arbeit ein,
und sagte: " Ja, nach der Verdauung
da könnt es halber Zwölfe sein."
 
Der Fremde dacht', er hört nicht richtig,
und fragte ihn verwundert dann,
ob man auf solche Uhr sich immer
ganz felsenfest verlassen kann.
 
Der Bauer stopfte seine Pfeife,
und schlug ne Fliege sich vom Ohr,
und sagte dann : "Jawohl, das kann ich,
nur in der Obstzeit geht sie vor!"

 

© Erna Düx - Bornemann                 

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Ernste Frage  

Im Kern der Erde brennt ein Feuer,
gar unermesslich, riesengroß.
Kein Menschenauge hat's gesehen,
Die Herrn Gelehrten wissen's bloß.
 
Da frag ich mich ganz dumm als Laie,
wenn wirklich dieses Feuer wär',
wo kommen dann auf dieser Erde
die vielen kalten Füße her ?

© Erna Düx - Bornemann                 

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Trauer   

Als alle Rosen blühten
wohl in der Sommerzeit,
da wurd aus meiner Liebe
ein großes tiefes Leid.
 
Mein Liebster, der ging schlafen,
sie senkten ihn hinab.
Nun blühen weiße Rosen
auf seinem stillen Grab.
 
Die Rose blüht auf Dornen,
die Liebe bringt oft Leid.
Mein Liebster, der ging schlafen
wohl in der Rosenzeit. 
 

 

© Erna Düx - Bornemann                 

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  Sag ja zum Leben  

Sag JA zum Leben zu allen Stunden,
selbst wenn du das große Glück nicht gefunden,
das du dir erträumt hast im Jugendtraum.
 
Es liegen viel Freuden und himmlischer Segen
selbst auf den allerdornigsten Wegen,
du gehst nur versonnen und spürst es kaum.
 
Sag JA zum Leben und lasse dich leiten,
du kannst dir dein Schicksal nicht selber bereiten,
es wurde dir schon in die Wiege gelegt.
 
Du aber, du kannst dies Geschenk dir gestalten,
und dankbar dich beugen den hohen Gewalten,
und dem der da tausend Welten bewegt.

   

© Erna Düx - Bornemann                 

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Nach dem Gewitter

Wie frisch gebadet liegt die Welt,
all ihre Farben leuchten,
von neuem blaut das Himmelszelt,
und von den regenfeuchten
und blanken Dächern dampft das Naß.
 
Noch tropfen von den Zweigen
die Wasserperlen klar wie Glas,
und Blumen tief sich neigen.
 
Verdurstend hat das Ackerland
den Regen aufgesogen,
fern an der schwarzen Wolkenwand
steht klar der Regenbogen.
 
Schwer richtet sich das Korn empor,
und überall Gefieder
kommt scheu aus dem Versteck hervor,
und singt und jubelt wieder.

© Erna Düx - Bornemann     

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Sehnsucht  

 
Möcht meine Liebe tragen weit in die Einsamkeit,
wo dunkle Föhren rauschen am Rand der braunen Heid',
wo ringsum nichts als Himmel, soweit das Auge reicht,
in wundersamem Frieden die weite Heide schweigt.
 
Möcht meine Liebe tragen weit in die Einsamkeit,
und Ruhe, Ruhe finden am Rand der braunen Heid'.
Es will mich schier erdrücken das Glück und all die Lust,
es will mich fast zersprengen die übervolle Brust.
 
Möcht meine Liebe tragen weit in die Einsamkeit,
und Gottes Nähe spüren am Rand der braunen Heid'.
Dann deckte all der Frieden mein tiefes Sehnen zu,
und meine große Liebe würd still in all der Ruh. 
 

© Erna Düx - Bornemann     

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Herbst   

 
Wenn die frohe bunte Heide blüht,
der Altweibersommer seine Fäden zieht,
Blätter hängen müde an den Bäumen,
und im Garten letzte Rosen träumen,
 
wenn im Feld die gold'nen Garben stehen,
zieht die erste Klage vom Vergehen
wie ein leiser Ton durch alles Blühen -
draußen steht der Herbst um einzuziehen.
 


 

© Erna Düx - Bornemann     

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Inferno   

 
O Herr des Himmels, welchen Mächten
hast Du uns in die Hand gegeben,
dass uns're schöne Erde bebt
und voller Unruh' unser Leben ?
 
Daß das Inferno ew'ger Kriege
den Menschen treibt von Land zu Land,
daß Katastrophen uns bedrohen
wie Wassernot und Sturm und Brand ?
 
Ist's uns're Schuld, daß wir gegriffen
zu Sternen, die nicht für uns glüh'n,
daß wir mit Mächten uns verbunden,
die uns nun in ein Chaos zieh'n ?
 
Haben wir uns immer mehr entfernet
von dem, was Du uns zugedacht,
von den Geschöpfen Deiner Liebe,
für die Du sprachst: "Es ist vollbracht" ?
 
Du wirst die Freiheit uns belassen
so lang es Deiner Macht gefällt,
dann schaffst Du aus zerstörten Werken
in Schönheit eine neue Welt.

 

 
© Erna Düx - Bornemann     

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Perlen   

 
Weine nie, dass du keine Perlen hast,
denn Perlen bedeuten Tränen
und oft ein Leben voll Unruh und Hast,
du solltest dich nie danach sehnen.
 
Erwache fröhlich nach stiller Nacht,
zufrieden mit deinem Lose,
die Perlen, die Gott dir zugedacht
sind Tautropfen einer Rose.

 

 
© Erna Düx - Bornemann     

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Zuneigung   

 
Einem Menschen zu begegnen,
dem man alles sagen kann,
und der alles mitempfindend
auch mit einem schweigen kann,
 
dem dieselben Sterne leuchten,
und dieselben Blumen blühn,
der auch treu ist, wenn durchs Leben
einmal dunkle Wolken ziehn,
 
dem in allen Feierstunden
stets dieselbe Saite klingt,
das ist ein Geschenk des Himmels,
das er nicht zu jedem bringt.
 
 
© Erna Düx - Bornemann     

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Herbstreife  

 
Es muss nicht immer Frühling sein,
wenn sich zwei Herzen finden.
Man muss auch nicht bei jeder Lieb'
sich bunte Kränze winden.
 
Der Mai hat wohl der Freuden viel,
sich ganz drin zu versenken,
jedoch die allertiefste Glut
kann nur der Herbst verschenken.
 
Es muss nicht immer Frühling sein,
wenn sich zwei Menschen finden.
Man braucht auch nicht bei jeder Lieb'
hellfrohe Lieder singen.
 
Die Blume, die im Herbst erblüht,
hat oft ein langes Leben,
und lange währet auch die Lieb',
die reife Menschen geben.
 
 
© Erna Düx - Bornemann     

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Empfindung  

 

 
Eine Seele, tief im Unglück,
ist noch sehr viel besser dran
als ein Mensch, der, ohne Seele,
gar nichts mehr empfinden kann.
 
Und ein Herz, das voller Sehnsucht
nachts im tiefsten Traum erglüht,
lebt bewußter als ein Mensch
dem auf Erden nichts mehr blüht.
 

 

© Erna Düx - Bornemann     

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Erneuerung   

 
Wenn eine Seele aus dem Bad des Leidens
dem Lichte zu verjüngend sich erhebt,
und die in ihrem Leid gemied'nen Freuden
auf einmal nun viel herrlicher erlebt,
 
dann wandelt sie auf neuentdeckten Pfaden,
die ihr des Schicksals tiefer Sinn erschloss,
geläutert und vertieft in ihrem Wesen,
erschließt sich ihr des wahren Glückes Schoß.
 

 

© Erna Düx - Bornemann   

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Ein Tannenbaum  

 
Ein Tannenbaum hatte 'ne niedliche Braut,
der Sommer, der hatte die beiden getraut,
sie waren das allerglücklichste Paar
im ganzen Walde --- ein Vierteljahr.
 
Das war ein selig Grüßen und Neigen,
ein Küssen und Kosen mit Nadeln und Zweigen.
Oft war's ihm, als wäre sein Leben ein Traum,
er war ja so glücklich, der Tannenbaum.
 
Und dann kam der Herbst, und es klagte im Winde
um verlorene Blätter Frau Nachbarin Linde.
Die Vöglein, die sagten dem Paare Ade,
und Wolken verkündeten baldigen Schnee.
 
Und da, eines Morgens, schon hatt' es gefroren,
da hatte auch sie ihre Nadeln verloren.
Erschrocken sah sie der Tannenbaum an,
was hatte man denn seinem Weibchen getan ?
 
Wie schauten so klagend ihn an ihre Zweige,
es war ihm, als ob sie sich zu ihm neige;
doch ihre Nadeln, die ihn sonst berührt,
die hatte der Herbstwind lachend entführt.
 
Und als er sein Bäumlein dann näher beschaut,
da merkt er, daß er eine Lärche getraut. -
Drum, wenn du im Frühling ein Glück hast erfaßt,
dann prüfe, ob es auch im Herbst zu dir paßt.

                                              © Erna Düx - Bornemann   

 

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Stille

 
Still ist's, kein Lüftchen regt sich,
kein einzig Blatt bewegt sich,
kein leiser Ton erschallt.
 
Weit sieht man durch die Bäume
in weite, grüne Räume.
Ein DOM erscheint der Wald.
 
Die Dämmrung senkt sich nieder,
es wird nun Abend wieder,
und alles ruhet bald.
 
Die Blätter stumm sich neigen,
nun geht das große Schweigen
ganz heimlich durch den Wald.
 


 

© Erna Düx - Bornemann   

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Kalte Sterne

 
Nun brausen durch das Land die Stürme
und kommen kalt vom Osten her,
die Ackerkrume wird zum Steine,
die Welt erstarret mehr und mehr.
 
Eisblumen wachsen an den Fenstern,
und werden größer Nacht für Nacht,
durchs zarte Filigran der Äste,
da leuchtet kalt die Sternenpracht.
 
Wohl scheint am Tag schon warm die Sonne,
doch in der Nacht mit großem Fleiß,
da baut der Winter seine Schlösser,
aus silberblauem, klaren Eis.
 
 
© Erna Düx - Bornemann   

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Ich bin Du

 
Ich möchte, dass einer zu mir sagte:
            " ICH BIN DU "
Ich schlösse in überseliger Wonne 
              die Augen zu.
     Es fände in diesem Worte
           mein Sehnen Ruh.
  Doch welche Seele kann sagen:
           " ICH BIN DU ?"
 
 
© Erna Düx - Bornemann   

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© Erna Düx-Bornemann

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